Review: Tokyo Twilight Ghost Hunters (PS3)

19. März 2015
Review: Tokyo Twilight Ghost Hunters (PS3)

Ghostbusters auf japanisch – so lässt sich das Spiel mit dem langen Titel wohl am besten beschreiben. Was wirklich dahinter steckt und ob es sich lohnt, in Tokio auf Geisterjagd zu gehen, verrate ich euch im folgenden Testbericht.

An der Oberfläche ist Tokyo Twilight Ghost Hunters, entwickelt von Arc System Works und veröffentlicht von NIS America, eine ganz normale Visual Novel. Visual Novels sind japanische Textadventures, bei denen man nicht nur viel lesen muss, sondern auch häufig vor die eine oder andere Entscheidung gestellt wird. Nicht selten werden moderne VNs zusätzlich mit weiteren Gameplay Elementen vermengt. So auch bei Toyko Twilight Ghost Hunters.
Denn, während ihr dabei zuseht, wie sich die Handlung entfaltet, müsst ihr selbst immer wieder als Geisterjäger zur Tat schreiten. Dann bekommt ihr einen Gebäudegrundriss, auf dem ihr euch und eure Partner navigiert, um letztendlich den Geist aufzuspüren und zu attackieren. Das Ganze erinnert ein wenig an das beliebte Brettspiel “Scotland Yard”, nur eben als Rollenspiel, bzw als Hybrid aus Visual Novel und Taktik-RPG. Attribute, Leveln, Skills, Waffen – ganz plötzlich müsst ihr euch um so einiges Gedanken machen und obwohl das Spiel größtenteils auf Erklärungen verzichtet, werdet ihr euch schnell in eurem neuen Job zurechtfinden.
Tokyo Twilight Ghost Hunters besteht also im wesentlichen aus zwei separaten Teilen:
1. Die spannende Visual Novel erzählt eine Geschichte, aufgeteilt wie ein Anime, in kurze Episoden, mit eigenem Vor- und Abspann und einem Case-of-the-Week. Zu Beginn der Geschichte findet ihr euch in eurer neuen Schule wieder, wo ihr allerlei Fragen beantworten müsst, von eurem Heimatort, über die Wahlfächer und Schulclubs, bishin zu Blutgruppe, Größe und Gewicht. Einer eurer Mitschüler wird euch außerdem fragen, ob ihr an Geister glaubt und euch kurz darauf den Geisterjägern vorstellen.
Als Geisterjäger bekommt ihr Aufträge, müsst Geister aufspüren und herausfinden, warum sie das tun, was sie eben tun. Darüber hinaus gibt es eine fortlaufende Handlung mit teils witzigen Charakteren. wovon die meisten zu eurem Team gehören.
Eine davon ist die hübsche Mifune, die es euch ganz besonders schwer macht, eine Beziehung zu ihr aufzubauen. Der Versuch, sie dennoch zu beeindrucken, kann sogar noch spannender sein, als die eigentliche Geisterjagd.
Optisch ist das Spiel dem Genre entsprechend zwar simpel gehalten, die Charaktere und Kreaturen sind aber zumindest mit kleinen Animationen ausgestattet und die Hintergründe schön gezeichnet. Kleine Videos bieten etwas mehr Bewegtbild und tragen einen großen Teil zur Atmosphäre bei.
Während der Dialoge wird der Spieler oft vor eine Wahl gestellt. Aus fünf Optionen kann man dann zuerst eine Emotion wählen und anschließend ein Körperteil, mit dem man auf den Gesprächspartner zugehen will.  Aus dieser Kombination ergeben sich dann verschiedene Reaktionen der Gesprächspartner. Das ist zwar einigermaßen beeindruckend, aber auch mehr als verwirrend. In fast allen Fällen ist es unangebracht, etwas anderes als das Auge oder die Hand zu verwenden und selbst dann sind die Reaktionen oft eher negativ. Benutzt man den Mund, steht das nicht für Sprechen sondern offensichtlich für den Versuch, seinen Gegenüber abzuschlecken.
2. Die Geisterjagd
Im Büro der Geisterjäger können Brettspiele gespielt, Charaktere trainiert, andere Orte besucht und Missionen vorbereitet werden. Man kann seine Begleiter aussuchen, Fallen auslegen, Salz streuen und einiges mehr. Dann geht es auf zur Jagd. Jede Figur hat eine bestimmte Anzahl an Bewegungen, wie bei Taktik-RPGs üblich. Zu Anfang ist die Zahl der Bewegungen jedoch frustrierend gering und selbst kleine Drehungen verbrauchen schon 1 Punkt. Will man sich in die entgegen gesetzte Richtung bewegen, verliert man allein dafür schon 2 Punkte.
Hat man den Geist aufgespürt, gilt es seine Bewegungen zu erahnen. Denn alle Figuren ziehen zur gleichen Zeit. Am besten ist es also, ihn zu dritt einzukreisen und dann jeden möglichen Aufenthaltsort anzugreifen. Nicht selten zerschlägt man dabei zwar nur Einrichtungsgegenstände, aber alles in allem sind die Geister, gerade zu Anfang, relativ schnell beseitigt. Das ist auch notwendig, denn pro Runde stehen nur 15 Züge zur Verfügung.
Wer auf Taktik steht und sich von der simplen Optik nicht abschrecken lässt, wird an diesem Kampfsystem jedenfalls seinen Spaß haben.
Während Tokyo Twilight Ghost Hunters insgesamt eine sehr positive und erfrischende Erfahrung ist, gibt es da noch eine Sache, die mir dann doch ein wenig die Suppe versalzt – die Musik!
Während der, vor allem für die Final Fantasy Spiele bekannte, japanische Komponist Nobuo Uematsu für den Titelsong verantwortlich ist und das Spiel auch ansonsten seine musikalischen Momente hat, vor allem in den schaurigen Momenten, wird ein Großteil des Spiels von einem nervigen Rockgedudel begleitet, das man sonst nur in Menüs von Kampfsspielen findet und die selbst dort sehr schnell sehr nervig werden kann.
Musik ist natürlich immer Geschmackssache, doch in einem Spiel, in dem ich viel Zeit mit dem Lesen von Dialogen verbringe, wäre ein etwas weniger aufdringlicher Soundtrack wirklich angebracht gewesen.

Fazit: Mal abgesehen von der etwas anstrengenden Musik, ist Tokyo Twilight Ghost Hunters ein fantastischer Adventure-RPG-Mix geworden, der über Episoden verteilt eine spannende Geschichte erzählt, mit einfallsreichen Charakteren aufwartet und den Spieler seicht, wenn auch ohne viele Erklärungen, in sein Kampfsystem einführt. Kleine Zwischensequenzen, sowie Intros und Abspänne der recht kurzen Episoden lockern das Spiel optisch und musikalisch immer wieder auf und machen es zu einem gelungenen Erlebnis. – 80%

von Tony M

Rubriken: Blog, Review

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