Review: Legend of Kay – Anniversary (PS4)

10. August 2015
Review: Legend of Kay – Anniversary (PS4)

Zehn Jahre nach seiner Veröffentlichung auf der Playstation 2, bekommt Legend of Kay eine Neuauflage und versucht mit neuen Texturen und altem Jump n’ Run Charme, erneut in die Herzen der Spieler zu gelangen. Ob ihm das gelingt, erfahrt ihr in der folgenden Review.

Da ich die originale Version von Legend of Kay nie gespielt habe, befasst sich diese Review nicht nur mit den Verbesserungen der HD Version, sondern mit dem Spiel allgemein.
Legend of Kay fällt in die Kategorie der 3D Jump ‘n’ Runs, die wir inzwischen kaum noch zu sehen bekommen. Es ist bunt, charmant und dank seiner tierischen Protagonisten auch für jüngere Spieler geeignet. Es steckt jedoch mehr hinter der farbenfrohen Fassade, denn im Mittelpunkt von Legend of Kay steht ein Dorf, das von Feinde umzingelt und unterdrückt wird. Was nicht in den Plan dieses Regimes passt wird abgeschafft und wer sich dagegen stellt, dem droht ein schmerzhaftes Ende. Für ein Spiel, das man leicht in die Schublade Kinderspiel stecken könnte, behandelt Legend of Kay seine Themen überraschend wenig in Schwarz-Weiß und eher in Grautönen. Sprichwörtlich, denn unsere größten Feinde sind die heimtückischen Ratten, die sich mit den eher starken aber dummen Gorillas verbündet haben. Das Katzendorf – unser Dorf – steht in ihrer Mitte und muss sich dem aufgezwungenen “Schutz” dieser beiden Parteien hingeben. Doch auch untereinander haben die Feinde Konflikte und im Wald warten weitere Geschöpfe, die sich dem Konflikt nicht entziehen können.
Wo man in ähnlichen Spielen eindeutig Freund und Feind unterscheiden kann, bieten sich die vermeintlichen Feinde als angebliche Retter an und schaffen es so erfolgreich, die Bewohner des Dorfes von ihrer Sache zu überzeugen. Der rebellische Kay, der die Sache schnell durchschaut, muss sich Feinde in den eigenen Reihen machen, um gegen die Übermacht ankämpfen zu können.
So komplex, wie das alles nun klingen mag, ist die Geschichte von Legend of Kay dann aber auch wieder nicht. Ihr folgt Quests, führt Gespräche mit herumstehenden Charakteren und könnt zuweilen eine Nebenquest für sie absolvieren. In den Umgebungen gibt es einiges zu erkunden und sobald ihr das Dorf verlasst, müsst ihr euch noch viel mehr auf euren Spürsinn (z.B. um die geheimen Dämonentore zu finden), euer Geschick und eure Kampfkunst konzentrieren. Der Schwierigkeitsgrad hält sich aber in Grenzen und ihr werdet nie zu langer an einer Stelle hängen bleiben.
Die größte Besonderheit von Legend of Kay ist sein asiatischer Touch. Charaktere und Umgebungen sind dem alten China nachempfunden, ein alter Kampfmeister lehrt euch die Kampfkunst und auch das Sounddesign ist an das Setting angepasst. Es gibt verschiedene Kampftechniken die ihr lernen könnt und die Kämpfe machen auch einen wesentlichen Teil des Spielgeschehens aus. Somit ist es schwer zu sagen, ob Legend of Kay noch als reines Jump ‘n’ Run durchgeht, oder eher einem 3D Brawler oder Action-Adventure entspricht. Aber wen interessieren schon Genres, solange das Gameplay abwechslungsreich genug ist.
Die Grafik ist übrigens durchaus gelungen und kann sich auf der Playstation 4 sehen lassen. Realistisch animiertes Katzenfell dürft ihr natürlich nicht erwarten, aber da der gesamte Stil des Spiels eher comichaft gehalten ist, sollte das keinen überraschen.
Einige Dinge hätten dann aber doch weitere Verbesserungen benötigt:
Die größte Schwäche des Spiels sind jene Momente, die ihr nicht überspringen könnt. Lauft ihr beispielsweise gegen eine Tür die sich nicht öffnet lässt, hält Kay einen Monolog eben genau darüber, während ihr euch nicht bewegen könnt. Einige Gespräche lassen sich ebenfalls nicht überspringen, was besonders dann zu nerven beginnt, wenn eure Gesprächspartner so langsam reden, als hätten sie gerade erst das Sprechen gelernt. Dazu dann noch unnötig ausgebreitete Erklärungen und das Paket ist perfekt. Freut euch auf das Kampftraining.
Da freut man sich doch, wenn lange Spielabschnitte komplett ohne andere Charaktere auskommen.
Ein weiteres Problem ist die Kamera. Standardmäßig ist sie invertiert, was allerdings als nicht invertiert angezeigt wird und in den Optionen geändert werden muss. Naja, Ansichtssache und so? Das ist nicht weiter schlimm, aber eine Lock-on Funktion in Kämpfen, gerade gegen größere Gegner, hätte sehr geholfen. Da es allerdings Teil des Gameplays ist in die richtige Richtung zu blicken während ihr blockt, ist auch das noch verkraftbar. Leider lässt sich die Kamera auch nicht nach oben bewegen, sie zoomt dann nur an euren Charakter heran.
Zum Glück gewöhnt man sich nach einiger Zeit an diese Mängel, doch ein paar Verbesserungen hier und da hätten nicht geschadet.
Fazit: Die Anniversary Edition von Legend of Kay ist sehr schön, wenn auch nicht perfekt geworden. Zu langsam kommt ihr manchmal vorwärts, weil sich Gespräche und Monologe nicht überpringen lassen, doch im Großteil des Spiels sollte euch das keine Probleme machen. Zu selten lassen uns Spiele heutzutage in eine bunte und lockere Welt eintauchen, wo nicht alles logisch sein muss und der Spaß im Vordergrund steht. Wer sich nach solchen Welten sehnt oder einfach mal wieder ein 3D Jump’n’Run mit einem netten, wenn auch nicht sehr schweren, Kampfsystem spielen will, der sollte Legend of Kay mal eine Chance geben. – 70%

von Tony M

Rubriken: Blog, Review

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