Review: Rock of Ages II: Bigger & Boulder (PS4)

11. September 2017
Review: Rock of Ages II: Bigger & Boulder (PS4)

“Rock of Ages” – ist das nicht ein Musical mit Tom Cruise? Ja schon, aber es ist auch eines der kreativeren und verrückteren Videospiele der letzten Jahre. Nun kommt der Nachfolger angerollt und bleibt seinen durchgedrehten Wurzeln treu. Aber bietet “Rock of Ages II” auch genug für eine Fortsetzung? Der nachfolgende Test verrät es euch.

Originaltitel: Rock of Ages II: Bigger & Boulder
Produktionsjahr: 2016
Entwickler: ACE Team
Publisher: Atlus USA
Veröffentlichung: 29.8.2017
Freigabe: ab 6

Der Ball ist wieder am Rollen. Ball? Wohl eher ein massiver Felsen. Vergesst alles, was ihr im Geschichtsunterricht gelernt habt, dieses Spiel lehrt euch, was wirklich passiert ist. Oder wusstet ihr bereits, dass jede entscheidende Schlacht der Menschheitsgeschichte mithilfe riesiger rollender Felsen gewonnen wurde? Nein, dann wird es Zeit für eine Lektüre der besonderen Art. Denn genau das ist eure Aufgabe im arcadig-strategischen “Rock of Ages”: Kriege gewinnen.

Auf eine Pinball-ige Art und Weise. “Rock of Ages II” bleibt der Formel des Vorgängers treu. In jeder Schlacht wechselt ihr zwischen zwei Gameplay-Stilen.

In den Tower-Defense-Segmenten baut ihr Türme, Tiere, Mauern und Geschütze, um den Weg zu eurer eigenen Festung zu blockieren. Währenddessen wird euer Kampf-Felsen vorbereitet. Ist er fertig, rollt ihr in Third-Person aufs Schlachtfeld, überwindet die Hindernisse des Gegners, sowieso die Schwierigkeiten der jeweiligen Karte, um schließlich die Festung des Feindes zu erreichen. Je schneller ihr rollt, desto mehr Schaden fügt ihr dessen Toren zu. Wer zuerst das feindliche Tor zerschmettert und den Kriegsführer überrollt, gewinnt die Runde.

 

Felsenfestes Konzept, durchgedrehtes Ergebnis

“Rock of Ages” ist im Multiplayer oder in einer Singleplayer-Kampagne spielbar. Neben den Schlachten gibt es auch Modi wie Wettrennen. Das besondere Highlight sind aber die Zwischensequenzen und der generelle Humor des Spiels. Alle Figuren werden als zweidimensionale Papierschnittgestalten dargestellt, sprechen mit merkwürdigen Stimmen und nehmen nicht ein einzelnes Wort ernst.

Hat man das Tor des Gegners zerschmettert, kreischt der wie ein kleines Kind und auch die Zuschauer schlottern um ihr Überleben, bis sie von euch gnadenlos überrollt werden. Indie-Entwickler ACE-Team holt das Beste aus den verfügbaren Ressourcen heraus, um ein rundes Spielerlebnis zu schaffen.

 

20 Jahre ACE Team – Alles andere als steinzeitlich

Unter dem Namen “ACE Team Software” existiert das, anfangs dreiköpfige Team bereits seit 1997. Ihr erstes Projekt war eine “Doom II”-Mod namens “Batman Doom”. Weitere Mods folgten. Ein erster Durchbruch gelang dem Team 2009 mit “Zeno Clash”. Zwei Jahre später folgte dann das erste “Rock of Ages” und zuletzt auch “Abyss Odyssey” und “The Deadly Tower of Monsters”. Besonders Letzteres hatte es uns im letzten Jahr stark angetan. Darin spielte man sich durch die altmodische Filmwelt eines trashigen Sci-Fi-Abenteuers, während ein desillusionierter und unfreundlicher Regisseur zusammen mit seinem Assistenten die Geschehnisse kommentierte.

Der Stil des Teams zieht sich durch all ihre Spiele: sie beweisen Humor und einen Sinn für außergewöhnliche Ideen und Grafikstile.

 

Nicht alles rund

Auch mit “Rock of Ages II” schuf das inzwischen zwanzigjährige und 15-köpfige Team wieder ein spaßiges Spielerlebnis. Doch dem perfekten Spielerlebnis werden einige Steine in den Weg gelegt. Insgesamt unterscheidet sich Teil 2 nicht allzu sehr von seinem sechs Jahre älteren Vorgänger. Das Spielprinzip ist gleich geblieben, die Grafik hat sich kaum verändert.

Die langen Bauphasen bremsen leider regelmäßig das Spielvergnügen und wirken gerade in den leichteren Runden eher wie ein Zeitvertreib. Man starrt mehr auf die Karte, als tatsächlich zu rollen. Auch hängt der Spielspaß stark von der Wahl der Karte ab. Während die ersten zwar manchmal schwer zu manövrieren sind und die Orientierung nicht leicht fällt, werden spätere Maps schnell zu reinen Hindernisparcours. Da kann der Spaß schon mal verfliegen, wenn man zum fünften Mal in Folge in ein Loch oder eine Schlucht abstürzt, weil man die enge Kurve nicht bekommen hat. Klar: Übung macht den Meister.

Aber “Rock of Ages II” wirkt eben eher wie ein Partyspiel zum schnellen Ein- und Aussteigen und so funktioniert es auch am besten. Trotzdem, der einzigartige Stil und tolle Humor lassen jede Frustration vergessen. Da denkt man schnell mal ein altes Franchise mit dem Namen “Katamari” zurück…

 

Fazit: “Rock of Ages II: Bigger & Boulder” ist wie sein Vorgänger spaßig, humorvoll und macht optisch eine Menge aus seinen Mitteln. Leider hemmen einige Spielelemente den Spaß ein wenig. – 65%

Vielen Dank an die Kollegen von Atlus, die uns einen Review Code für “Rock of Ages II: Bigger & Boulder” zur Verfügung gestellt haben.

 

von Tony M

Rubriken: Blog, Review

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