Review: Disaster Report 4: Summer Memories (PS4)

15. Juni 2020
Review: Disaster Report 4: Summer Memories (PS4)

 

Das beste Kompliment, das man einem neun Jahre alten Spiel geben kann? Es sieht trotz seiner Playstation 3 – Wurzeln gar nicht mal so schlecht aus. Bereits am 10. März 2011 sollte der vierte Teil der “Disaster Report”-Reihe erscheinen, nicht wissend, dass es genau einen Tag danach zur tatsächlichen Katastrophe kommen sollte. Dass das Spiel aufgrund des Erdbebens und Tsunamis an der Küste von Tōhoku am 11. März verschoben wurde, ist aufgrund der Thematik nur allzu verständlich. Schließlich stellt die einzigartige Spielereihe eine Art Gegenstück zum Katastrophenfilm dar. Speziell der vierte Ableger konfrontiert den Spieler mit ständig Erdbeben, einstürzenden Gebäuden, mit Katastrophen zu Land und Wasser. Schade ist es dennoch, dass das Spiel 2011 letztendlich gänzlich gecancelt wurde.

Mit seinem neuen Studio “Granzella” erwarb Produzent Kazuma Kujo die Rechte an der Reihe und kündigte 2015 die Wiederaufnahme der Entwicklung an. Auch wolle man das Spiel von grundauf neu entwickeln. “Disaster Report 4 Plus: Summer Memories” ist also nicht exakt das Spiel, das 2011 auf der PS3 erschienen wäre, damals noch mit Move-Controls. Statt Move setzt man nun auf VR.

Remake, Remaster oder was auch immer, gerade jetzt wo jedes zweite Spiel eine Neuauflage ist, sollte man sich an solchen Kleinigkeiten nicht stören. Doch auch wenn es für ein neun Jahre altes Spiel noch ganz gut aussieht, stößt es als Remake eines “alten” Spiel sehr schnell an seine Grenzen. Kurz gesagt: Es fühlt sich an wie ein Spiel der letzten Generation.

 

Im Kern ist “Disaster Report 4” ein Adventure, in dem ihr so lange Menschen ansprecht und gelegentlich Items sucht, bis euch das Spiel erlaubt, euch vorwärts zu bewegen. Das dürft ihr meist dann, wenn ihr das nächste Erdbeben triggert, das für euch einen neuen Pfad öffnet. Die Bedingungen dafür sind aber nicht immer ersichtlich. Manchmal werdet ihr fünfmal im Kreis laufen, versuchen mit jedem NPC und Objekt zu interagieren und erst dann, durch Zufall, den richtigen Auslöser finden. Beginnt die Erde zu beben, hockt ihr euch schnell hin, um Fallschaden zu vermeiden. Steht ihr allerdings unter dem fallenden Gebäude, ist Rennen die bessere Option.

Manchmal fühlt sich “Disaster Report 4” wie ein richtiges Rollenspiel an. Nein, nicht die Art in der ihr Erfahrungspunkte sammelt, auflevelt und Fähigkeiten lernt. Ihr spielt im wahrsten Sinne des Wortes eine Rolle. Ihr erstellt einen Charakter, wählt Namen und aussehen und entscheidet, aus welchem Grund ihr in die Stadt gekommen seid. In wichtigen Gesprächen trefft ihr moralische oder unmoralische Entscheidungen und bekommt entsprechende Punkte. Außerdem könnt ihr mit den meisten Frauen flirten und zahlreiche Outfits finden oder freischalten. Die große Entscheidungsfreiheit macht Spaß, ist aber eigentlich immer Illusion. Das fängt bei der Charakterwahl an. Klar, ihr könnt eine Frau sein, die nur zum Spaß aus einem weit entfernten Dorf die Stadt besucht. Eigentlich will das Spiel aber, das ihr ein Mann seid, der für ein Vorstellungsgespräch anreist.

Das wird in einigen Interaktionen deutlich und eben in der Tatsache, dass ihr unabhängig von eurem eigenen Geschlecht nur mit Frauen anbandeln könnt …  und selbst das nicht wirklich. In seiner Eingeschränktheit wirkt das Spiel damit beinahe wieder progressiv – abhängig davon welchen Charakter ihr spielt. Auch das ist nur eine Illussion. Das wird spätestens im fast schon obligatorischen Rape-Subplot deutlich, indem ihr euch und eure Begleiterin vor einer Gruppe notgeiler Männer retten müsst.

Viele der Interaktionen machen aber Spaß und jedes größere Gebiet wartet mit einer neuen kleinen Geschichte auf. Beinahe so, als würdet ihr einen Anime in 20 Minuten Episoden spielen. Auch wenn euch hier kein technisches Highlight erwartet, gibt es immer wieder Momente, die zu Screenshots einladen. Die einstürzenden Gebäude geben ein tolles Gefühl von Maßstab, Überschwemmungen und Brände sorgen für optische Abwechslung. Wie oft darf man schon einen Katastrophenfilm nachspielen?

 

von Tony M

Rubriken: Blog, Review

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