Review: YS: MONSTRUM NOX (Nintendo Switch)

9. August 2021
Review: YS: MONSTRUM NOX (Nintendo Switch)
Gerade erst aus dem Gefängnis geflüchtet, wird Abenteurer Adol Christin versehentlich Mitglied der Monstrums - einer Gruppe gefürchteter Superhelden. Unsere Review für "Ys: Monstrum Nox" als Podcast und klassisch zum Nachlesen.
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Plattform: Nintendo Switch
Release: 09.07.2021
Entwickler: Nihon Falcon
Publisher: NIS America

Den Beginn seines neunten Abenteuers hat sich der rothaarige Held Adol Christin bestimmt ganz anders vorgestellt. Gefangen im Hochsicherheitsgefängnis Balduq, wird er von einer mysteriösen Frau zu allem Überfluss auch noch in ein Monstrum verwandelt. Doch statt übergroßer Gliedmaßen, Reißzähnen, Fell oder grüner Haut, wird er einfach noch schöner. Auch sonst bringt seine Verwandlung eigentlich nur Vorteile mit sich. Adol besitzt ganz neue Fähigkeiten, wie das Überqueren langer Distanzen in Sekundenschnelle. Doch Monstrums werden gejagt und gemieden und als er endlich seiner Zelle entfliehen kann, muss Adol feststellen, dass die ganze Stadt sein Gefängnis ist. Die Monstrums müssen herausfinden, wie sie ihren Fluch brechen können oder lernen, damit zu leben.

Adol und sein Partner Dogi ahnen noch nicht, dass ihr Aufenthalt in Balduq länger andauern wird als geplant.

„Ys“, die Spielereihe mit den komischen Titeln, versucht sich in jedem Ableger ein wenig neu zu erfinden; und das seit 1987. Gestartet auf japanischen PCs, genauer dem NEC PC-8801, fristete das Franchise schon immer ein Dasein als kleiner, unbekannterer Bruder von „The Legend of Zelda“. Zelda ohne Rätsel und mit vielen Kämpfen lautet oft die Beschreibung.

Von Spin-Offs mal abgesehen, weicht „Monstrum Nox“ sicherlich am meisten vom großen Vorbild ab. Zwar gibt es Dungeons und zumindest eine Stadt zu erkunden, die Idee der anonymen Monstrums erinnert dann aber doch eher an ein Fantasy-Superheldenteam. Während Adol versucht, das Geheimnis von Balduq zu lüften, lernt er nach und nach seine übernatürlichen Mitstreiter kennen. Mit ihren einzigartigen Fähigkeiten, verwandelt sich die ganze Stadt in einen großen, bunten Spielplatz.

Die Monstrums – so gefürchtet, so bunt, so vielfältig. Aber wer steckt wirklich hinter den Kostümen und großen Waffen?

Leider dauert es eine ganze Weile, bevor „Monstrum Nox“ so richtig überzeugen kann. Das Kampfsystem macht zwar Spaß, ist aber ziemlich simpel, die Umgebungen sind generisch und die Stadtbewohner nichtssagend.

Statt den Spieler auf kreative Arten am Voranschreiten zu hindern, ist die Stadt von einer simplen Energiebarriere umgeben, die ihren Radius mit Fortschreiten in der Story vergrößert. Dabei bieten doch gerade seine Fähigkeiten als Monstrum – Adol kann sich zu Punkten in der Ferne wie mit einem Enterhaken heranziehen – viel Potenzial zur Überbrückung kreativer Hindernisse. Neue Mitstreiter bringen neue Fortbewegungsmöglichkeiten mit sich. So kann White Cat senkrecht an Wänden hinauflaufen. So generisch die Stadt auch aussieht, macht das Herumlaufen-, springen und -schwingen auf den Dächern viel Spaß. Per Knopfdruck kann man Kontrolle über einen Mitstreiter erlangen und sobald die Helden auf den Dächern entlanglaufen, verwandeln sie sich in ihre Alter Egos.

Superhelden in einer mittelalterlichen Fantasywelt, das hat schon was! Spätestens wenn Adol und Freunde dann ihre eigene Bar eröffnen dürfen, voller Charaktere, Nebenquests und anderer Möglichkeiten, fühlt sich Balduq auch endlich heimisch an.

White Cat kann mit ihren Katzenfähigkeiten hohe Wände hinauf laufen. Aber Vorsicht, auch ihre Ausdauer ist begrenzt!

Genau wie Zeitgenosse Link, ist auch Adol ein stummer Protagonist. Durch viele Dialoge, in denen ihr meist aus zwei Optionen wählen könnt – eigentlich nie mit großer Konsequenz – fühlt sich der Held aber doch sehr lebhaft an. Dabei hilft auch, dass das Spiel bei jeder Gelegenheit an seine vergangenen Abenteuer erinnert. Direkt zu Beginn wird der Sträfling verhört und gibt so einige Anspielungen auf Vergangenes preis. Da kann man sich als Newcomer kurz mal verloren fühlen. Abgesehen von kleinen Anspielungen zugunsten der Kontinuität, ist „Monstrum Nox“ aber sehr Einsteiger freundlich und funktioniert auch perfekt als Standalone-Titel.

Dazu trägt auch das Kampfsystem bei, das leicht von der Hand geht. Angreifen, Ausweichen, Spezialangriffe, man kennt es. Irgendwo zwischen Action-RPG und Character Action Game, reicht bloßes Draufhauen oft aus, um die Kämpfe zu bestreiten. Endgegner machen Spaß, verlangen aber nicht viel Taktik. Auf der Switch und sicher auch anderen Plattformen, kann die Tastenbelegung, besonders bei den Schultertasten, schnell mal überfordern. Mit welcher weicht man gleich noch aus und wo benutzt man Adols Teleportfähigkeit? Oder war das nicht doch die Taste, um Spezialangriffe zu triggern? Wenn das Aneinanderketten verschiedener Moves dann aber klappt, darf man sich umso besser fühlen.

Fazit: „Ys: Monstrum Nox“ dürfte ein weiterer Fanliebling in der langlebigen Action-RPG-Reihe werden und hat das dank cooler Moves, schneller Action und liebevollen Charakteren auch verdient. Die etwas langweiligen Umgebungen und ideenlosen Levelbegrenzungen mindern den Gesamteindruck jedoch, aber eben nur solange, bis man wieder fröhlich auf Dächern umherspringen kann.


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von Tony M

Rubriken: Blog, Review

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